Kurzbericht
7-9 h Verteilen von Flugblättern an
der Domsheide (Zentrale ÖPNV – Umsteige in Bremen) zu „1- € Jobs“ und
Perspektiven des Widerstandes für Beschäftigte, „1-€ JobberInnen“ und
Erwerbsarbeitslose, in Abgrenzung zur SPD, die sich zeitgleich als
Siegerin im gestrigen „Fernsehduell“ inszenierte.
10-11.30 h Spaziergang zu einem der
Bremer Träger, in dem „1- € JobberInnen“ in der Gastronomie
beschäftigt sind. Wir führen Gespräche mit den Frauen über ihre
konkrete Situation, Arbeitsbedingungen und Perspektiven. Wir
hinterlassen Info-Material, Treffpunkte und Fragebögen für „1 - €
Jobs."
„Da drüben bekommt ihr nur
Wahlwerbung, bei uns dagegen gibts Informationen zu den
Sozialprotesten in Bremen.“ Solche und ähnliche Abgrenzungen (die SPD
inszenierte sich als Siegerin des gestrigen Kanzlerduelles) führen
heute morgen dazu, dass unser Flugblatt zu den 1,- €-Jobs in Bremen
gern angenommen wird. Das Flugblatt richtet sich sowohl an
Beschäftigte als auch an 1,- €-JobberInnen, betont die Wichtigkeit der
Solidarität untereinander gegenüber einer Spirale von Entrechtung,
Lohndumping und gegenseitiger Konkurrenz.
Anschließend machte sich eine kleine
Gruppe zu einem Spaziergang auf: Ziel war ein kirchlichen Träger der
z.Z. ca. ein Dutzend „1-€-JobberInnen“ in einem Gastronomie- und
Cateringservice beschäftigt. Durch Gespräche mit den Betroffenen
wollten wir näheres über die konkrete Situation der Beschäftigten vor
Ort, über Arbeitsbedingungen und Perspektiven in Erfahrung bringen.
Außerdem sollten die dort Beschäftigten, ausschließlich Frauen, über
ihre minimalen Rechte als „1-€-JobberInnen“ informiert werden.
Verlauf und Erkenntnisse des
Spaziergangs:
Die „Chefin“ (als einzige nicht auf
„1- € Job“) ist zum Zeitpunkt unseres Besuchs in Urlaub.
Nicht alle Frauen sind erpicht auf
ein Gespräch, aber durch beharrliches Nachhaken kommen wir doch mit 5
Frauen ins längere Gespräch. Die anderen lesen das von uns
mitgebrachte Material in ihren Pausen durch. Wir fallen allein durch
unsere Anzahl auf und durch die Schildchen am Hemd „So kann ich nicht
arbeiten“.
Alle Frauen sind von der BAgIS
(Bremer Arbeitsgemeinschaft für Integration und Soziales / = die
Lokale ARGE) zugewiesen worden, keine darunter hat sich das
ausgesucht: „Ich schreibe Bewerbungen, ich bin ausgebildete XY, was
keinen interessiert. Die BAGiS hat sich das `freiwillig´ für mich
ausgedacht, so ist das.“ Die Fluktuation ist groß: „Da wird gesagt,
hallo, das ist die Neue so und so, ganz unkompliziert.“
An reguläre Beschäftigung kommt keine der Frauen mehr ran, sei es weil
sie über 40 sind oder weil sie keinen Führerschein haben. Eine der
älteren Frauen, die erst seit ein Paar Wochen dabei ist, betont: „Da
muss man glücklich sein, überhaupt noch was machen zu dürfen.“ Einer
anderen hilft es – seit 7 Monaten - gegen die Langeweile Zuhause. In
ihrem früheren Betrieb wurde ihr gekündigt aufgrund von
gesundheitlichen Gründen. Wir fragten nach Qualifizierung: „Als
Qualifizierung gibt’s nur die Arbeit: 7 Stunden, 5 Tage die Woche.“
Bei einer MigrantIn ist es ein 1 monatiger Sprachkurs. Nur bei der
Jüngsten gibt es eine mit der Arbeit verknüpfte Umschulung mit
Abschluss: „Sonst wär ich da nicht drauf eingegangen.“ Eine der Frauen
kocht vor Wut - darüber, dass bei aller Qualifizierung im früheren
Beruf keine Perspektive da ist, über das viel zu wenige Geld und dass
sie den „1- €-Job“ machen muss, weil sie ihre Familie nicht hängen
lassen kann.
Für uns ist dieser Spaziergang der
Auftakt für viele weitere Spaziergänge zu Trägern der „1-€-Jobs“!
1-Euro-Treff / Sozialplenum Bremen