| Freerk Huisken untersucht ihren nationalistischen Kern und
kommt zu dem Schluss: Auf dem Prüfstand steht nicht die Bildung, die der
Jugend verpasst wird, sondern allein die Auswirkungen dieser Bildung auf
das nationale Ansehen und auf die Konkurrenzfähigkeit der nationalen
Ökonomie werden besorgt registriert. Die PISA-Studien haben in
Deutschland für Aufregung gesorgt. Das miserable Abschneiden 15-jähriger
Schülerinnen und Schüler galt und gilt als Blamage einer Nation, die sich
nicht nur zu den gehobenen "Wissensgesellschaften" zählt, die sich nicht
nur auf ihre Kultur und ihre Geistesleistungen einiges zu Gute hält,
sondern die sich bisher auch eines Bildungswesens zu rühmen wusste, dessen
Absolventen sich als überzeugte deutsche Demokraten, als "mündige
Staatsbürger" fleißig der Rechte und Pflichten annahmen, die das
Nachkriegsdeutschland für sie vorgesehen hatte.
Aus dem in den PISA-Studien festgestellten Abstieg aus der 1. Liga im
Bildungsvergleich wurde das gleiche Schicksal für die deutsche
Nationalökonomie abgeleitet. Denn über eines sind sich Öffentlichkeit,
Politik und Fachwelt sehr einig: Bildung ist ein Wachstumsfaktor, eine
Ressource für den Standort, ist Humankapital, mit dem "wir" unsere
Rohstoffknappheit substituieren können und müssen. Eine klare Auskunft
darüber, dass Wissenschaft und Bildung ganz im Dienste am Kapital
aufzugehen haben.
Der Autor:
Freerk
Huisken ist Hochschullehrer an der Uni Bremen und dort in der
Lehrerbildung tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Kritik des
Bildungswesens und der Erziehungswissenschaften, "Jugendgewalt" und
Rechtsextremismus. Bei VSA erschien von ihm zuletzt: z.B. Erfurt. Was das
bürgerliche Bildungs- und Einbildungswesen so alles anrichtet (2002). |
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