Dass die Geschäftsführerin Katja Barloschky abwesend war, spielte
keine Rolle. Ihr für In-Jobs zuständige Mitarbeiter brachte ebenso
perfekt die selbstzufriedene Einschätzung der Arbeit der bag rüber.
Nackte finanzielle Not und Aussichtslosigkeit der Arbeitssuche, die
Menschen zur Aufnahme von Ein-Euro-Jobs veranlasst, geriet in seinen
Worten zur „Freiwilligkeit“ zur Annahme dieser Jobs. Missbrauch und
Mängel sind für ihn Einzelerscheinungen, denen die bag bei Beschwerden
nachginge.
Die Betroffenen äußerten dem gegenüber ihre eigenen Erfahrungen und
die anderer erwerbsloser Menschen: Ein-Euro-Jobs sind eine
Zwangsmaßnahme zur Disziplinierung von Erwerbslosen, meist ohne die
angeblich so wichtige Qualifizierung und ohne jede Perspektive.
Förderung ist eine Farce – Existenz sichernde Erwerbsarbeit wird nicht
geboten.
Diese Meinung sollte auch den Medien aus dem Bremer Raum zur Kenntnis
gelangen. Deshalb wurde die (oben veröffentlichte) Presseerklärung -
direkt aus dem Büro der Geschäftsleitung - per Fax an alle
Zeitungsredaktionen versandt.
Die weiteren Programmpunkte des Erwerbslosentages zeigten ebenso das
dringende Bedürfnis, sich gemeinsam über Erfahrungen mit Ämtern und
FallmanagerInnen auszutauschen:
Einzelberatungen mussten zugunsten der großen Gesprächsrunde zurück
stehen. Das gemeinsame Reden und Zuhören stand zwei Stunden lang im
Vordergrund.
Nach dem Film „neueWut“, der in keinem Fernsehsender gezeigt werden
konnte, ging die Diskussion darum, was die Betroffenen weiterhin tun
können und tun müssen, um nicht vor der Maschinerie zu kapitulieren.
§
Entwicklung von
Selbstbewusstsein gegenüber einer für die Probleme von Erwerbslosen
weitgehend unsensiblen Umgebung,
§
Stärkung des
Zusammenhalts u.a. durch Unterstützung von Betroffenen, die vor
Gericht gegen ihre Entrechtung klagen,
§
Weitere
Protestaktionen gegen Umzugsaufforderungen für ALG II- und
SozialgeldbezieherInnen und geplante Beschlüsse der
Sozial-
Deputation über unzureichende Erhöhung der
Heizkostenpauschalen.
Wer noch Energie hatte, konnte den Tag noch im Rahmen einer
Veranstaltung von attac – global fatal und der Solidarischen Hilfe
(Erwerbslosen- und Sozialberatung) mit einer Diskussion über die
politische Bedeutung der Hartz-Gesetze beschließen: „Ein Jahr Hartz
IV“.
Es ist ermutigend, dass mehr und mehr
Betroffene sich nicht mehr verkriechen, sondern den Kontakt und den
Zusammenhalt mit anderen Menschen suchen, die sich zu wehren bereit
sind. Das Bedürfnis nach weiteren Aktionstagen wie diesen wurde laut.
Ein-Euro-AG des Sozialplenum Bremen
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Protest gegen Ein-Euro-Jobs - am falschen Tag
Aufrufe am "Bremer Erwerbslosentag" kommen bei der bag
nicht an: Geschäftsführung befand sich in Klausur
Bremen taz Das Wetter war prima gestern, sonnig und kalt. Und doch war
es irgendwie der falsche Tag für den Protest der Ein-Euro-AG des
"Sozialplenum Bremen". Die Geschäftsführung der "Bremer Arbeit GmbH" (bag),
Ziel der Demonstration, weilte nämlich den ganzen Tag "in Klausur". So
blieben die Aufrufe von rund 30 Protestlern beim "Bremer
Erwerbslosentag" im Mittelbau der Organisation stecken.
Die Forderungen der zumeist arbeitslosen DemonstrantInnen waren jedoch
so klar wie das Wetter: weg mit den Ein-Euro-Jobs. "Unwürdige
Zwangsmaßnahmen" erkennt Norbert Jagemann darin. "Diese dienen auch
dazu, der erwerbstätigen Bevölkerung zu drohen: Seht nur, was euch
blüht, wenn ihr aufmuckt", sagt der Aktivist. Größten Unmut erzeugt
dabei, dass die Ein-Euro-Jobs "in der Regel nicht zusätzlich sind,
sondern reguläre Beschäftigungen ersetzen", heißt es in einer
Erklärung. Diese seien aber meist ohne jede Perspektive auf
Festanstellung.
Um so wichtiger erschien es den DemonstrantInnen, bei der bag, "dieser
zentralen Instanz" (Jagemann) ihrem Ärger Luft zu machen. Da die
Geschäftsführung ausgeflogen war, bekam Mitarbeiter Thorsten Broermann
diesen ab. "Wir machen gute Arbeit hier", konnte dieser lediglich
entgegnen.
In der Tat ist die bag von der Hansestadt beauftragt, das operative
Management arbeitsmarkt- und sozialpolitischer Programme zu
übernehmen. "Sie organisieren die Verarmung der Menschen", hielt eine
Teilnehmerin Broermann vor. Der forderte konkrete Hinweise, "wir
müssten uns über jeden einzelnen Job unterhalten". Der bag-Vertreter
ist aber sicher, dass alle genehmigten Maßnahmen gewissenhaft geprüft
seien. Dass Ein-Euro-Jobber in Heimen alte Menschen füttern, konterte
er damit, "dass 20 Prozent Regeltätigkeit erlaubt ist".
Wenig befriedigend war dies alles für die AktivistInnen. Vielleicht
hätte bag-Geschäftsführerin Katja Barloschky Erhellenderes zum Thema
zu sagen gehabt, wäre sie nur da gewesen. Für Suse, noch Studentin der
Sozialpädagogik, war die Aktion dennoch wichtig. Sie bereite sich hier
auf ihre Zukunft vor, sagt sie. "Auf dem Akademiker-Flur im
Arbeitsamt." Achim Graf
taz Bremen Nr. 7834 vom 1.12.2005, Seite 21, 73 Zeilen (TAZ-Bericht),
Achim Graf
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Arbeitslosen-Demo
Erwerbslose wehren sich gegen Ein-Euro-Jobs
bremen taz Nicht gerade ein Feiertag ist der heutige Bremer
Erwerbslosen- und JobberInnen-Tag, der ab 9 Uhr im Naturfreundehaus
Buchtstraße 14 stattfindet. Um 11 Uhr startet eine Demonstration. Ab
14 Uhr werden Arbeitslose beraten, um 18 Uhr gibt es eine Diskussion
über "Möglichkeiten des Protestes und Widerstands, der Organisierung
gegen Ein-Euro-Jobs, Niedriglohnmaloche, Ämterstress".
Die Arbeitslosen wenden sich gegen "die fortwährenden Angriffe auf die
Erwerbslosen". Durch Ein-Euro-Jobs würde keine zusätzliche neue
Beschäftigung erzeugt. Arbeitslosenzahlen würden künstlich gedrückt,
das System funktioniere nur "aufgrund des massiven Drucks der Bremer
Arbeitsgemeinschaft für Integration und Soziales (Bagis)".
Die Folge sei klar: Weit gehende Rechtlosigkeit gepaart mit ebenso
beliebiger wie brutaler Propaganda und vermeintlichen
"Notwendigkeiten" bereite den Boden für eine umfassende Vereinzelung
und Entsolidarisierung. Eine rassistische und soziale Spaltung der
Gesellschaft sei das Ergebnis. Dagegen wollen sich die Erwerbslosen
wehren und "auf keinen Fall ganze Kröten schlucken". ky
taz Bremen Nr. 7833 vom 30.11.2005, Seite 22, 40 Zeilen (TAZ-Bericht),
ky